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Davos reformiert lauschte einer Biografie

Mit über 90 Personen war der Guggerbach-Saal prall gefüllt und es gab nicht einmal genug Stühle für alle Besucher. Eigentlich war Christian Pfeiffer ein Betriebsunfall: «Mich hets garnöd sölli gä.» lachte er gleich zu Beginn seiner Erzählung. In der Schulzeit war er ein gewitzter Junge mit Pfiff: «Sie, sie hend e Nasi wie a Hex» sagte er einmal zu seiner 1.Klass-Lehrerin, die ihn daraufhin in die Mangel nahm. Nach der Schule wurde Pfeiffer zunächst Teppichverkäufer, wechselte aber unmittelbar nach seiner mit Erfolg abgeschlossener Ausbildung in die Krankenpflege, zunächst als Hilfspfleger. Auch diese Zeit birgt viele Erinnerungen, die jede Zuhörerin und jeden Zuhörer zum Lachen bringen. Bspw. erzählte er, wie er einmal das Gebiss zweier Bewohner verwechselt hat und für viel Gelächter auf der Abteilung sorgte. Nach seiner Ausbildung als Krankenpfleger in Schaffhausen, war er in einem Heim für psychisch Kranke, in Gächlingen SH, tätig.

Zwischendurch verbrachte er eine Zeit in einem Kibbuz in Israel und arbeitete danach im Krankenhaus in Appenzell auf der Männerabteilung, ja ganz richtig, damals war es geschlechtergetrennt. Aber eigentlich war ihm schon lange klar, dass er was Theologisches machen wollte. Doch ein theologisches Seminar oder die Bibelschule Aarau sah er nicht als seinen Weg.

So fand er in Evangelisch Altstätten SG eine Stelle als Gemeindekrankenpfleger mit kirchlichem Dienst, wo er neben seinem Pflegedienst eine erfolgreiche Jugendarbeit aufbauen konnte. Später kam noch Religionsunterricht hinzu, den er als spannende, aber auch sehr herausfordernde Aufgabe empfand und darum in St. Gallen die Ausbildung als Fachlehrperson Religion zuerst für Unter- und Mittelstufe und später auch für die Oberstufe absolvierte. In dieser Zeit lernte er auch seine Frau Sonja kennen und schliesslich führte es die beiden nach Davos, wo Pfeiffer damals als Gemeindehelfer mit Schwerpunkt Religionsunterricht gewählt wurde. Während seinem über 30-jährigen Dienst in Davos lancierte er unter anderem das Erzählcafé, dem er nun selbst zum Opfer fiel. Dazu half er zusammen mit der Evang.-ref. Kirchgemeinde Davos Dorf/Laret eine Partnerschaft mit der Ungarisch-ref. Kirchgemeinde Haus der Hoffnung in Brasov (Rumänien) aufzubauen, die im Frühjahr 2022 aufgehoben wurde. Das einzige Sozialprojekt, das Altersheim Nikodemus, ist zurzeit unter dem Verein «Haus der Hoffnung» noch weiter in Betrieb, das er bis heute betreut. Neben verschiedenen Aus- und Weiterbildungen, die seine Kompetenzen stets erweiterten, wurde ihm auch die Franz-Kett Pädagogik zu einer kreativen und hilfreichen Stütze für seine vielfältigen Aufgaben im Senioren- wie Kinderbereich. Und in seine Zeit viel auch die erste Ordination der Sozialdiakone in Graubünden. Und vieles hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Beispielsweise die Ökumenische Kampagne, damals noch «Brot für alle», wo es früher nur Suppe gab, heute aber eine richtige Mahlzeit und am Palmsonntag sogar ein Kuchenbuffet. Neben seinem sozialdiakonischen Dienst engagierte er sich einige Jahre als Präsident der Spitex Davos. Im Rückblick auf sein Leben kommt Pfeiffer eine Liedzeile aus dem reformierten Gesangbuch in den Sinn: «Was wir täglich brauchen, gibt uns Gott, Fröhlichkeit und täglich Brot.»